Ab Herbst wird mit Raps experimentiert

1998-03-21, Kölner Stadtanzeiger

Freilandversuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen - Firma investiert 1,7 Millionen Mark

"Das ist eine Chance für ein erfolgreiches Standortmarketing." Euphorisch bewertet Dr. Edgar Fritschi, Geschäftsführer der BioGenTec NRW, die erste Ansiedlung einer biotechnologischen Firma im Erftkreis: In Wesseling wird der Biochemiker Dr. Peter Welters ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen in der Pflanzenbiotechnologie gründen.

Im Juni will der 38jährige beginnen, Schwerpunkt soll die Entwicklung neuer Patente und Techniken sein. Zudem bietet er die Beratung und Betreuung für Freilandversuche mit gentechnisch manipulierten Pflanzen an und will Projekte zwischen der Industrie und Forschung vermitteln sowie Marktstudien erstellen. ...

Zu Beginn will er drei bis vier wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigen, nach drei Jahren rechnet et mit sieben bis zehn Beschäftigen.
Seine Serviceleistungen will der Biochemiker vorwiegend kleinen und mittelständischen Unternehmen anbieten, die so auch ohne eigenes Labor Zugang zu neuen Technologien erhalten sollen. ...Welters, der für sein Unternehmenskonzept schon mehrere Preise bekommen hat, hofft auf sechs Kunden im ersten und etwa zwölf im dritten Jahr.
In die Pflanzen, die im Auftrag anderer Firmen auf dem Feld getestet werden, sollen Eigenschaften übertragen werden, die durch eine "normale Züchtung" nicht oder nur schwer entwickelt werden können. Sie sollen zum Beispiel widerstandsfähiger und ertragreicher sein. ...

Die Kritik der Wesselinger Grünen, die sich über "eine mangelhafte Unterrichtung der politischen Entscheidungsgremien" empörten und vom wachsenden Mißtrauen in der Bevölkerung sprachen, weist Welters zurück. Er habe im Rathaus mit SPD und Grünen über sein Vorhaben diskutiert. Er sei jederzeit zu weiteren Gesprächen bereit.